Musikalische Leitung

Der Dirigent

 

Dem Dirigenten fällt die Aufgabe zu, Musikstücke auszusuchen, einzuüben und die Programme zu gestalten. Außerdem ist er für die Weiterbildung der Orchestermitglieder zuständig.

 

In seiner Tätigkeit muss er erkennen, ob selbst bei einer völlig exakten Wiedergabe alle vom Komponisten überlieferten Anweisungen und Ideen beachtet werden. Aber ein musikalisches Werk entsteht erst dann, wenn der Dirigent dieses Werk nach seinen Kenntnissen und Vorstellungen musizieren lässt.

 

Mit dem Musizieren wird nicht nur musikalisches Können geschult, sondern auch gleichzeitig eine wesentliche Grundlage der Persönlichkeitsgestaltung geschaffen und gefördert; denn die Beherrschung eines Instrumentes setzt auch Ausdauer und Willenskraft voraus.

 

Die Aufgabe für einen Dirigenten bei einer Kapelle wie dem Blasorchester Büttelborn war und ist umso schwieriger, weil er es mit Freizeit- und Hobbymusikern in einem Alter zwischen 16 und 58 Jahren zu tun hat.

 

 

 

Heinrich Klinger (1964 - 1970)

 

Von der Gründung bis zum August 1970 wurde das Orchester von Heinrich Klinger geleitet. Ihm oblag es in der für die Entwicklung der Kapelle so bedeutsamen Anfangszeit vornehmlich, Musikkollegen anzulernen und weiterzubilden, um sie später in den Klangkörper einzureihen. In mühevoller Kleinarbeit bildete er aus den mit unterschiedlichen Voraussetzungen ausgestatteten Kapellenmitgliedern eine spielfähige Einheit. Heinrich Klinger hat mit seinem uneigennützigen Wirken viel für den Aufbau des Orchesters getan. Er verstarb – leider viel zu früh – im Dezember 1985.

 

 

 

 

 

Walter Bergner (1970 - 1989)

 

Im September 1970 übernahm Walter Bergner aus Dornheim das Amt des Kapellenleiters. Von Anfang an löste er diese für einen jungen Mann nicht einfache Aufgabe mit viel Umsicht, Tatkraft und persönlichem Engagement. Er formte das Orchester in der Folgezeit zu einem Klangkörper, dessen Musik weit und breit anerkannt wurde und sehr gefragt war und ist.

 

Nach den Jahren des Zusammenfindens gelang dem Blasorchester Büttelborn unter dem Dirigenten Walter Bergner der eigentliche Durchbruch. Ohne von den Grundsätzen abzuweichen – volkstümliche Unterhaltungsmusik zu bieten – wurden neue Programme entwickelt, die diesem Trend entsprachen und bei der Bevölkerung gut ankamen. Dies ist als großer Verdienst von Walter Bergner anzusehen. Walter Bergner beendete seine Tätigkeit auf eigenen Wunsch mit Ablauf des Jubiläumsjahres 1989 nach fast 20jähriger Zusammenarbeit.

 

 

 

Dr. Martin Reitz (1990 - 1994)

 

Zum 1. Januar 1990 übernahm der dritte Dirigent in der Geschichte des Blasorchesters Büttelborn den Dirigentenstab. Es war der 23 Jahre alte Martin Reitz aus Darmstadt. Gebürtig in Kassel studierte Martin Reitz in Darmstadt Wirtschaftswissenschaften und nahm dort auch noch nebenbei Posaunenunterricht bei Ulrich Conzen.

 

Durch seine Persönlichkeit und seinen musikalischen Sachverstand war es Martin Reitz, trotz seiner Jugend, innerhalb kurzer Zeit gelungen, dem Blasorchester Büttelborn ganz neue Bereiche der Blasmusik-Literatur zu eröffnen. Ohne das bekannte Repertoire zu vernachlässigen, entwickelte Reitz für das Orchester einen ganz neuen Sound, der schon bald das Büttelborner Publikum und viele Musikfreunde der näheren und weiteren Umgebung begeistern sollte. Die Frühjahrskonzerte 1991 und 1993 im Büttelborner Volkshaus sowie das erste Adventskonzert in der Katholischen Kirche 1993, bei dem man sich sogar an Werke symphonischer Blasmusik heran wagte, waren Belege hierfür. Mit erstmals eingeführten Probenwochenenden bereitete Martin Reitz sein Orchester auf Konzerte vor.

 

Das große Verdienst von Martin Reitz lag neben der imposanten musikalischen Weiterentwicklung des Blasorchesters vor allem in der Integration vieler Nachwuchskräfte begründet, womit der Generationswechsel im Klangkörper als gelungen angesehen werden konnte.

 

Überhaupt kann gesagt werden, dass es das Jugendblasorchester ohne Martin Reitz in der heute bekannten Form wohl nicht gegeben hätte. Martin Reitz war als musikalischer Leiter nur angetreten, unter der Voraussetzung, dass Jugendarbeit intensiv betrieben würde. Als Dirigent und Ausbilder legte er den Grundstein für das heute noch gültige Konzept der musikalischen Ausbildung beim Blasorchester Büttelborn. Ein besonderes Merkmal von Martin Reitz war dabei sicherlich auch die Beharrlichkeit und Konsequenz, mit der er seine Ziele verfolgte. Er kann es sich auf seine Fahne schreiben, dass er als Ideengeber und Initiator zugleich die Kinder und Jugendlichen für die Musik beim Jugendblasorchester begeistert hat.

 

Beim Frühjahrskonzert 1993 übergab er den Dirigentenstab für das Jugendblasorchester ebenso an Ulrich Conzen wie ein Jahr später beim Maifest 1994 den für das „Große“ Blasorchester.

 

Er konnte dies in dem Bewusstsein tun, in beiden Fällen ein bestelltes Feld zu hinterlassen. Der Name des mittlerweile promovierten Wirtschaftswissenschaftlers Dr. Martin Reitz wird immer ganz eng mit der Gründung und den Anfangsjahren des Jugendblasorchesters Büttelborn sowie mit der Entwicklung eines neuen Sounds beim „Großen“ Blasorchester verbunden sein.

 

 

 

 

Ulrich Conzen (1994 - heute)

 

Ulrich Conzen (Jahrgang 1961), gebürtig in Köln, erlernte mit 9 Jahren seine ersten Töne auf der Posaune. Mit 16 trat er dem Blasorchester seiner Heimatgemeinde Hürth bei und stand diesem Orchester auch von 1980 bis 1984 als Dirigent vor. Nach seinem Abitur im Jahr 1980 leistete Ulrich Conzen seinen Wehrdienst beim Heeresmusik-Korps 6 in Hamburg ab. Seine berufliche Laufbahn begann für ihn 1981 als Student an der Musikhochschule in Köln. Dort wurde er von keinem Geringeren als dem international bekannten Posaunensolisten und Lehrer Prof. Branimir Slokar an der Posaune ausgebildet.

 

Seit 1984 ist Ulrich Conzen stellvertretender Soloposaunist am Staatstheater in Darmstadt. Drei Jahre später legte er die künstlerische Reifeprüfung – verbunden mit dem staatlichen Instrumentallehrer-Examen – ab.

 

Beim Blasorchester Büttelborn war er schon lange kein Unbekannter mehr. War er doch von Anfang an Ausbilder beim Jugendblasorchester für Posaune und Tenorhorn gewesen. Außerdem hatte er sich dem Büttelborner Publikum auch schon als Posaunensolist bei einem Frühjahrskonzert präsentiert. Ulrich Conzen hatte nun die Aufgabe, das von Martin Reitz übernommene Konzept weiterzuentwickeln. Und er tat und tut dies bis heute mit Bravour.

 

Den von Martin Reitz eingeschlagenen Weg im Hinblick auf eine möglichst breite Palette aus allen Sparten der Blasmusik-Literatur führte Ulrich Conzen konsequent fort. Mehr noch – er eröffnete den Musikerinnen und Musikern des Blasorchesters Büttelborn vollkommen neue Wege bei der Einstudierung von Musikstücken. Symphonische Blasmusik ist heute – dank Ulrich Conzen – für die Orchestermitglieder kein Fremdwort mehr. Man lernte auf einmal, dass alles spielbar ist. Vor allem aber erkannte man durch ihn, dass auch vermeintlich leichte Musikstücke aus dem Bereich der volkstümlichen Blasmusik viel besser klingen, wenn sie präzise gespielt werden.

 

Unter Ulrich Conzen wurde das Blasorchester Büttelborn weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt für seine „etwas andere Blasmusik“. Dies zeigt sich auch an den wiederholten Einladungen zu Saal- und Kirchenkonzerten in der näheren und weiteren Umgebung. Conzen hat es dabei geschafft, dass das Orchester heute über eine mannigfaltige, präsente Literatur verfügt, mit der jederzeit anspruchsvolle, abendfüllende Konzerte möglich sind. Vor allem durch die in der „stillen Jahreszeit“ immer wieder durchgeführten Adventskonzerte hat Ulrich Conzen die Orchestermitglieder an Werke von klassischen Komponisten herangeführt, wie sie kaum ein anderes Blasorchester bieten kann. Und der Erfolg beim Publikum gibt ihm Recht.

 

Immer wieder wurde die Literatur aber auch durch aktuelle Hits ergänzt, bei denen Conzen auch sehr gerne auf die Wünsche der Orchestermitglieder einging. Seine absolute musikalische Autorität erleichterte es ihm, die Schwierigkeiten dieser Musikstücke abschätzen zu können und diese so auf die Belange des Blasorchesters zuzuschneiden. So gehören Potpourris von Pop- und Rocklegenden heute ebenso zum präsenten Repertoire wie Melodienfolgen von aktuellen und traditionellen Musicals.

 

Durch die Kontakte von Ulrich Conzen lernte das Blasorchester Büttelborn auch die Atmosphäre auf und hinter den Bühnen des Staatstheaters Darmstadt kennen. In nahezu 20 Aufführungen des Schauspiels „Egmont“, sowie neunmal bei der Oper „Norma“ und vor allem auch bei zwei Familienkonzerten gemeinsam mit dem Symphonischen Orchester des Staatstheaters präsentierte sich das Orchester dem Darmstädter Publikum.

 

Ungeheuer wertvolle Arbeit leistete Ulrich Conzen bisher auch in der Erarbeitung von langfristigen Strategien für die Weiterentwicklung der Jugendarbeit. Ein ganz besonderer Erfolg war in diesem Zusammenhang die Gründung eines Mini-Orchesters als Unterbau für das Jugendblasorchester sowie die Einrichtung von Blockflötenkursen als Anfängerunterricht. Darüber hinaus kümmert er sich äußerst engagiert um die Rekrutierung der Ausbilder für den Einzelunterricht und koordiniert auch die Zuteilung der neuen Instrumental-Anfänger. Unter Ulrich Conzen hat sich auch das Jugendblasorchester musikalisch noch einmal wesentlich weiterentwickelt.

Dass Ulrich Conzen die mit der Leitung von gleich drei Büttelborner Orchestern verbundenen Aufgaben mit Sachverstand und Weitsicht auch weiterhin meistern wird, davon darf man getrost überzeugt sein.

 

Weiterlesen zum "Großen" Blasorchester: Repertoire - Saalkonzerte